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In dem kleinen Eifelort Cassel wurden nach dem Krieg aus dem
Ermland vertriebene Bauern angesiedelt. Cassel gehört zur Gemeinde
Heckenbach im Kreis Ahrweiler und liegt 4 Kilometer nördlich von
Kempenich auf der Höhe zwischen Laacher See und Nürburgring.
Die KSJ-ND-Gruppe St. Michael am Aloisiuskolleg Bonn Bad Godesberg und später die
KSJ-HD-Gruppe Sophie Scholl am Clara-Fey-Gymnasium verbindet mit Cassel eine lange Tradition.
Bereits von 1954 bis 1967 nutzten wir das Haus der Familie Decker
(Nachbarhaus der alten Schule) als Jugendheim für Wochenend- und
Ferienfahrten. Zum 1. Januar 1968 mietete der Förderverein als
Selbstverpflegungshaus die alte Volksschule von Cassel an, die Anfang
der fünfziger Jahre für die Kinder aus dem Ermland gebaut worden war.
Der Mietvertrag war bis zum 31.12.1992 befristet. Das Haus wird seitdem
von unserem Förderverein in Zusammenarbeit mit den beiden KSJ-Gruppen
in ehrenamtlicher Eigenarbeit unterhalten.
Schon damals haben die Jugendlichen und ihre Eltern eine Menge Arbeit
in den Ausbau und die Instandhaltung der Dorfschule investiert. Als der
Austausch der Fenster und andere größere Investitionen notwendig
wurden, die zu einer erheblichen Wertsteigerung des Gebäudes führen
würden, hat der damalige Gruppenkaplan, Pater Alfred Stump SJ, die
Norddeutsche Jesuitenprovinz gebeten, den Kauf des Grundstücks mit der
alten Schule zu ermöglichen.
Nach längeren Verhandlungen mit der Gemeindeverwaltung wurde 1980 der
Kaufvertrag unterzeichnet. Die Norddeutsche Jesuitenprovinz finanzierte
den Kauf des Grundstücks mit der alten Schule durch das Aloisiuskolleg.
Für die Unterhaltung des Gebäudes war es erforderlich, dass neben den
beiden KSJ-Gruppen auch andere Jugendgruppen die Möglichkeit erhielten,
das Selbstverpflegungshaus zu nutzen.
Seitdem wurden neben unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit auch
wichtige „Großinvestitionen" getätigt. Der Förderverein beauftragte
1980 und 1981 Firmen mit dem Austausch sämtlicher Fenster durch
Isolierverglasungen. Nach der Gründung der KSJ-HD-Gruppe Sophie Scholl
und der damit verbundenen koedukativen Nutzung wurde ein zusätzlicher
Sanitärraum für die Mädchen angelegt.
Es zeigte sich in den darauf folgenden Jahren, dass das
Jugendfreizeitheim für kleine Gruppen mit weniger als 20 Teilnehmern zu
ungemütlich und zu teuer war und der Platz für größere Gruppen mit mehr
als 35 bis 40 Personen nicht ausreichte.
So entschloss man sich, im Einvernehmen mit dem Aloisiuskolleg und der
Norddeutschen Jesuitenprovinz, 1987 auf dem Grundstück ein Blockhaus zu
errichten.
Das Blockhaus erhielt von dem damaligen Provinzial auf
Wunsch der KSJ-Gruppen den Namen des selig gesprochenen Pater Rupert
Mayer. Der Seminarraum im Kellergeschoss sollte die
Nutzungsmöglichkeiten der alten Schule und des Blockhauses als
Bildungshaus erweitern. Das Rupert-Mayer-Heim wird seitdem von den
KSJ-Gruppen insbesondere für Rundenfreizeiten und für Freizeiten und
Schulungen mit mehr als 40 Teilnehmern als Ergänzung zum
Jugendfreizeitheim St. Michael genutzt. Auch das Blockhaus stand
anderen Jugendgruppen zur Verfügung.
Inzwischen hat sich Cassel zu einem beliebten Naherholungsort
entwickelt. An den Wochenenden zieht es nicht nur die Kinder- und
Jugendgruppen nach Cassel, sondern auch einige Großstädter, die dort in
ihren Wochenendhäusern Ruhe und Erholung suchen. In der Vergangenheit
war es nicht immer ganz einfach einen akzeptablen Kompromiss zwischen
den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen nach Freiheit und
„Auslauf" und denen der Nachbarn nach Ruhe herzustellen. Die Nutzung
des Rupert-Mayer-Heims musste daher eingeschränkt werden. Das Blockhaus
wird seit 1996 nur noch von den beiden KSJ-Gruppen und Gruppen des
Aloisiuskollegs belegt. Frau Hartmann, eine direkte Nachbarin der
Jugendheime, steht den Gruppen und Nachbarn bei Problemen jederzeit als
Ansprechpartnerin zur Verfügung.
In den letzten Jahren wurde die „alte Schule" in mehreren
Bauabschnitten modernisiert. Die bisherigen Rückmeldungen der Kinder
und Jugendlichen sowie der Gruppenleiter und Lehrer zeigen uns, dass
wir mit diesen Projekten die Attraktivität des Selbstverpflegungshauses
erheblich steigern konnten. Zudem ist es uns gelungen, das Haus durch
verschiedene Projekte im Rahmen des vorbeugenden Brandschutzes
„sicherer" zu machen.
Anfang der neunziger Jahre haben die Jugendlichen sämtliche Räume in
der alten Schule renoviert. 1991 erhielt der große Speiseraum neue
Tische und Stühle. Für die Dachsanierung musste 1993 ein Gerüst
aufgestellt werden. Die Jugendlichen nutzten die Gelegenheit und
strichen an zwei Wochenenden die komplette Fassade.
1995 wurde die Heizanlage aus einem direktbefeuerten Warmlufterzeuger
durch eine Warmwasserheizung ersetzt. Nur neun der zwanzig Räume
konnten vorher über Warmluftkanäle beheizt werden, die größtenteils
beschädigt waren und deren Austrittsöffnungen nur über unzureichende
Vorrichtungen zur Regulierung der Wärmeabgabe verfügten. Die
Warmwasserversorgung sollte auch über die Heizungsanlage
(Primärenergie) und nicht über drei Durchlauferhitzer und zwei Boiler
erfolgen, deren Warmwassermenge in den Stoßzeiten nie ausreichte. Den
Energiebedarf für die Beheizung und die Warmwassererwärmung konnten wir
dadurch stark verringern. Wegen einer fehlenden Steuerungsmöglichkeit
musste die alte Heizung zudem in der belegungsfreien Zeit abgestellt
werden, sodass die Schimmelbildung im Mauerwerk gefördert wurde.
Zeitgleich mit der Erneuerung der Heizungsanlage wurden sämtliche
Elektroinstallationen und der Verteilerkasten durch einen Fachbetrieb
erneuert. Auch bei diesen Großprojekten erledigten die Jugendlichen
alle Vor- und Nacharbeiten.
1995 - 1997 haben die Jugendlichen im Rahmen des vorbeugenden
Brandschutzes weitere Fluchtwege eingebaut und mit feuerhemmenden Türen
abgesichert sowie in allen Räumen Rauchmelder installiert.
Der Fliesenbelag im Flur und in der Küche wurde 1997 nach den neuesten
Sicherheitsvorschriften erneuert. Der alte Fliesenbelag lag auf einer
Holzdielenunterkonstruktion. Viele Fliesen waren gesprungen, einige
fehlten ganz und an vier Stellen hatten die Holzplatten bereits
nachgegeben. Die Holzdielenkonstruktion wurde durch einen Zementestrich
ersetzt. Im gleichen Jahr wurde dem Jugendheim ein neuer Elektroherd
mit Glasceranfeld zur Verfügung gestellt.
Das Badezimmer im Obergeschoss und die Jungentoilette im Erdgeschoss
wurden komplett saniert und ein zusätzlicher Waschraum mit drei Duschen
und drei Waschbecken in abgetrennten Einzelkabinen mit Umkleidevorraum
errichtet. Die Sanitäranlagen im Erdgeschoss und die Küche verfügen
über Bodenabläufe, die eine hygienische und zugleich umweltfreundliche
Reinigung mit einem Hochdruckreiniger ermöglichen.
Nach dem Umbau der Schlafräume verfügt das Haus nun über drei
Schlafzimmer mit je vier, zwei mit fünf, einem mit sieben und einem
weiteren mit acht Betten aus massiver Kiefer. Dieses Projekt wurde von
der Kreisfeuerwehr ausdrücklich befürwortet, da ein Verbindungsweg
zwischen den beiden Treppenaufgängen hergestellt und die
Trockenbauwände und -decken aus feuerhemmenden Gipsfaserplatten
errichtet wurden. Der Fluchtweg verläuft damit nicht mehr durch einen
Schlafraum. Durch den Abriss des Speichers konnte die Raumhöhe von 2,25
auf 3,30 Meter erhöht werden. Ein reinigungsfreundlicher Linoleumbelag
wurde auf feuerhemmenden Trockenestrichelementen verlegt. Die
Dachschrägen haben die Gruppenleiter mit Profilholz verkleidet, auf die
übrigen Wände und Decken wurde eine „Tapete" gespritzt.
Die Rauchmeldeanlage wurde nach dem Umbau wieder installiert und
geprüft, über allen Zimmertüren und an allen Feuerlöscherschutzkästen
haben wir nachleuchtende Hinweisschilder aufgehängt, in den Fluren
wurden bereits 1995 netzunabhängige Hinweisleuchten montiert.
1999 wurde der alte Kohlenkeller, in dem heute Getränke gelagert
werden, trockengelegt und an den Innenwänden gefliest. In den
Schlafräumen wurden zwei Dachfenster gegen größere ausgetauscht, damit
die Räume besser zu belüften sind.
Anfang Februar 2002 wurde der Fußboden in unserem Speise- und
Aufenthaltsraum in Cassel komplett erneuert. Der Holzestrich, der
aufgrund der Feuchtigkeit an einigen Stellen größere Dellen aufwies,
wurde durch einen Zementestrich, der Teppichboden durch einen
Fliesenbelag ersetzt. Seit der Renovierung wissen wir auch, was der
Teppichboden, der in der Vergangenheit etwa alle acht Jahre erneuert
werden musste, früher alles über sich ergehen lassen musste.
In dem Selbstverpflegungshaus finden fast alle unsere Freizeiten und
Schulungen statt. Dieses Haus soll Jugendgruppen und Schulklassen nicht
nur die Rahmenbedingungen für eine sinnvolle Freizeitgestaltung bieten,
sondern den Kindern und Jugendlichen in den unterschiedlichsten
Lebensbereichen und Aktivitäten auch ganzheitliche
Gemeinschaftserfahrungen in einer Gruppe ermöglichen.
Doch die beiden Jugendheime sind nicht nur Orte, an denen eine
sinnvolle Freizeitgestaltung ermöglicht wird, sondern auch Orte, an
denen die Jugendlichen selbst gefordert und pädagogisch sinnvoll mit in
die Verantwortung eingebunden werden. Sie bieten den Kindern und
Jugendlichen ideale Möglichkeiten, in den unterschiedlichsten
Lebensbereichen und Aktivitäten ganzheitliche Gemeinschaftserfahrungen
in einer Gruppe zu sammeln, in der jeder Teilnehmer seinem Alter und
seinen Fähigkeiten entsprechend für Teilbereiche verantwortlich ist, da
die Gruppe alle anfallenden Arbeiten selbst regeln muss. Zudem können
der Tagesablauf und der Speiseplan von den Gruppen allein bestimmt
werden.
Die älteren Gruppenmitglieder und einige Eltern haben dabei fast alle
Arbeiten (Baumaßnahmen, Schönheitsrenovierungen, Reparaturen,
Reinigungsarbeiten) in ehrenamtlicher Eigenarbeit ausgeführt. Bei der
Gestaltung des Jugendheims erfahren die Jugendlichen durch ihre eigene
Arbeitsleistung den Wert des Hauses und der Einrichtungsgegenstände.
Die Kosten konnten dank der erheblichen Eigenleistungen der
Jugendlichen aus unseren Gruppen sowie der Unterstützung durch die
Hersteller und Handwerksbetriebe vergleichsweise gering gehalten
werden. Die Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter haben sich allein 1998
mit ihrer ehrenamtlichen Eigenleistung von weit mehr als 1000 Stunden
die Rahmenbedingungen selbst erhalten, die sie für eine qualifizierte
Jugendarbeit, die zu einer Persönlichkeitsbildung der Kinder und
Jugendlichen beiträgt, benötigen.
Viele Projekte konnten jedoch trotz der vergleichsweise niedrigen
Kosten nur durch die Unterstützung unseres Fördervereins verwirklicht
werden. Eltern, Freunde und ehemalige Mitglieder der beiden KSJ-Gruppen
unterstützen seit 1961 mit ihren Beiträgen an den „Verein zur Förderung
der KSJ-Gruppen St. Michael und Sophie Scholl, Bonn-Bad Godesberg e.V."
unsere Jugendarbeit durch die Unterhaltung des Jugendfreizeitheims in
Cassel.
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